Dienstag, 26. März 2019

Warum ich Theresa May mag

Gleich vorweg, Theresa May (Or-May-Not) ist selbstverfreilich politisch eine absolute Nullnummer, und wahrscheinlich schlechtestes britisches Regierungsoberhaupt aller Zeiten. Politisch. Publizistisch dagegen war die Frau nicht nur für Analysten, Satiriker und Karikaturisten ein Gottesgeschenk, sondern auch für mich. Und zwar speziell zum Thema "Brexit".

Glauben Sie nicht? Aber hallo, schließlich sorgte Mutti Theresa doch dafür, dass mein gerade in Auslieferung befindlicher Reiseführer "DuMont Reise-Handbuch Irland" immer noch aktuell ist. Nahezu im Alleingang, möchte ich fast sagen, denn in ihrem Eiertanz um den EU-Abschied und die eigene Position schaffte sie es, einen drohenden Fauxpas zu verhindern.

Der Hintergrund: Der am 14. April erscheinende Band liegt mit 456 Seiten gut in der Hand ... als ich letzte Woche das erste Exemplar in Händen hielt, stach mir jedoch das Brexit-Kapitel ins Auge. Bei einem Redaktionsschluss im Herbst 2018 hatte ich mich zu der Aussage verstiegen, dass beim Brexit noch nichts spruchreif sei.

Nun ja, offizieller Erscheinungstermin rund zweieinhalb Wochen nach dem offiziellen Brexit-Termin, das war dann wohl eine selbst gestellte Falle der fehlenden Aktualität. Oder doch nicht? Unbewusst muss ich wohl auf die politische Kompetenz der britischen Konservativen gebaut haben, die in Sachen Europa selbst Tony Blairs Irak-Politik in den Schatten stellte. Der Brexit wurde in den Händen der intern konkurrierenden Tory-Fraktion zum Weapon of Massive Self-Destruction, wer hätte es gedacht?

Und die flehentliche Bitte in letzter Minute, den Brexit doch etwas herauszuzögern, sie hat dann den 12. April als nächsten realistischen Termin auftauchen lassen - und so meine schriftlich festgehaltene Aussage zur Realität der Brexit-Folgen mehr oder minder über das Erscheinungsdatum gerettet.

Dafür sage ich: "Danke, Theresa!"

Wie nun die Realität bei der Fahrt durch die Nachbarschaft aussehen wird (wir leben schließlich im Grenzgebiet, der Einkauf in Nordirland ist derzeit noch liebgewonnene und finanziell interessante Tradition) ... keine Ahnung. Aber da dürfte mein Wissensstand dann auch in etwa mit dem von Mutti Theresa und Onkel Leo gleichauf sein.

Letzterer zumindest schwafelt ja immer noch davon, dass es keine Grenzkontrollen geben werde.

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